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Vom Studienabschluss auf die große Bühne
„Vivian“, Executive Assistant, Heraeus (China)
"Als ich bei Heraeus in Shanghai anfing, lag mein Master-Studium im Banking gerade hinter mir. Von einem Tag auf den anderen arbeitete ich mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zusammen. Viele wollten mir helfen, gaben mir Tipps und teilten ihre Erfahrungen. Das war wertvoll, machte Entscheidungen aber nicht immer leichter. Mit jedem Rat kam eine weitere Perspektive hinzu, und ich fragte mich oft: Was ist richtig? Was erwarten die anderen von mir?
In dieser Zeit sprach ich häufig mit Dr. Zhouping Ai. Statt eines langen Vortrags gab mir der Präsident von Heraeus Greater China nur zwei Worte mit: „Trust yourself.“ Seine Botschaft war klar: Wenn eine Entscheidung richtig ist, wachse ich daran. Und wenn sie sich als falsch herausstellt, lerne ich daraus. Beides bringt mich weiter. Wie ernst es Heraeus mit diesem Vertrauen meinte, erlebte ich schneller als erwartet. Bereits an meinem dritten Arbeitstag bekam ich die Chance, die Jubiläumsveranstaltung eines Heraeus Electronics Standorts zu moderieren. Natürlich hatte ich Zweifel. War ich nicht noch viel zu neu? Kannte ich das Unternehmen schon gut genug? Trotzdem ging ich auf die Bühne. Vor vielen Menschen zu sprechen und eine Veranstaltung zu führen, war eine völlig neue Erfahrung. Doch während ich moderierte, merkte ich: Das kann ich. Dieser Sprung ins kalte Wasser wurde zu einem Schlüsselmoment. Zum ersten Mal spürte ich, was möglich wird, wenn andere einem Vertrauen schenken und man lernt, sich selbst zu vertrauen.
Lancy und noch größere Aufgaben
Später übernahm ich eine noch größere Aufgabe: die Moderation des 50-jährigen Jubiläums von Heraeus in China. Diese Verantwortung fiel in eine ganz besondere Zeit meines Lebens. Ich war gerade Mutter geworden, meine Tochter Lancy noch ein Baby. Plötzlich brauchten zwei Welten meine volle Aufmerksamkeit – und beide waren mir gleichermaßen wichtig. Die Vorbereitungen für das Jubiläum liefen auf Hochtouren. Es gab zahlreiche Proben, die Moderationstexte waren umfangreich und die Erwartungen hoch. Viele bedeutende Gäste reisten nach China, darunter auch der CEO der Heraeus Gruppe, Dr. Frank Stietz. Während ich mich auf meinen Auftritt auf der großen Bühne vorbereitete, wurden die Nächte zu Hause immer kürzer. Ich wollte allem gerecht werden und setzte mich dabei oft selbst unter Druck.
In dieser Zeit erinnerte ich mich an die Worte von Dr. Ai: „Du musst nicht alles auf deinen Schultern tragen. Gib dein Bestes. Und vertraue dir selbst.“ Dieser Satz gab mir Halt. Ich durfte Unterstützung annehmen, Prioritäten setzen und mein Bestes geben, ohne perfekt sein zu müssen. Ich musste meine neue Rolle als Mutter nicht gegen meine berufliche Verantwortung ausspielen. Ich durfte beides verbinden – auf meine eigene Art. Also ging ich auf die Bühne. Ich moderierte das Jubiläum. Als junge Mutter. Als Mitarbeiterin, die noch am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stand und bereits über sich hinauswuchs. Als Frau, die gelernt hatte, auch mit offenen Fragen den nächsten Schritt zu wagen.
Mein eigener Baum wächst
Mit der Zeit übernahm ich immer mehr Verantwortung. Ich koordinierte Besuche internationaler Führungskräfte, stimmte unterschiedliche Interessen aufeinander ab und wirkte an großen Veranstaltungen mit. Solche Projekte erfordern viel Abstimmung zwischen Teams, Standorten und Ansprechpartnern. Früher haben mich unterschiedliche Meinungen oft verunsichert. Heute höre ich zu, nehme verschiedene Perspektiven auf und treffe anschließend meine eigene Entscheidung. Für diese Entwicklung habe ich ein Bild im Kopf: In mir wächst mein eigener Baum. Seine Wurzeln stehen für meine Erfahrungen. Jeder Ast erinnert mich an eine Entscheidung. Manche Wege waren geradlinig, andere führten über Umwege zum Ziel. Neue Blätter entstanden, weil ich etwas gewagt habe. Andere, weil ich aus Fehlern gelernt habe. Mit jedem Projekt wird dieser Baum stärker und mit jedem Moment, in dem ich meiner eigenen Einschätzung vertraue, wächst er weiter.
Heute weiß ich ziemlich genau, was mir liegt. Ich mag Projekte, bei denen viele Fäden zusammenlaufen. Es erfüllt mich, unterschiedliche Aspekte zu verbinden und daraus etwas Ganzes entstehen zu sehen. Aus der Berufseinsteigerin von damals ist eine Ansprechpartnerin geworden, der andere große Aufgaben zutrauen. Wenn ich heute auf mich schaue, sehe ich eine Projektmanagerin, eine Mutter und eine Kollegin, die Verantwortung übernimmt, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Meine wichtigste Entwicklung aber ist eine andere: Ich habe den Mut gefunden, Entscheidungen zu treffen. Ich höre zu. Ich lerne. Ich nehme Hilfe an. Ich entwickle mich weiter. Und ich vertraue mir selbst. Trust yourself."